Von Bankräubern und Großstädtern - 54. Mietinger Prunksitzung

Zwei Bankräuber mit Nachhilfe und geladene Gäste aus der großen Kreisstadt haben bei den Mietinger Narren am vergangenen Samstag für heitere Stimmung gesorgt. Der Musikverein Mietingen lud zur 54. Prunksitzung in die Narrenhalle, die wieder bis auf den letzten Platz gefüllt war.

Als Präsident Günne, der I. mit seinem Elferrat begleitet von der Hofkapelle in die Narrenhalle einzog schallte der Mietinger Narrenruf „Narri Narro-bei uns do isch halt so“ durch die ganze Halle. Doch bevor die Narretei richtig starten konnte fehlte noch ein wichtiges Detail: der Schlüssel des Rathauses.

So wurde Bürgermeister Robert Hochdorfer, von zwei Damen des Hofballets, sofort auf die Bühne geleitet um seinen närrischen Pflichten zu folgen und den Schlüssel an den Präsidenten und seinen Elferrat abzugeben. Doch wollte Hochdorfer noch ein paar wichtige Tipps loswerden, wie man sich im Rathaus verhalten sollte. Drei Ratschläge seien immer zu befolgen, wenn man das Zepter in der Hand hat. Erstens „Id bewega, sonst hosch verlora“, zweitens „Nix macha, bloß schwätza“ und drittens immer den Beamtengruß machen „Koin Finger krum macha“. Gespannt sei er wie sich die Narren nun schlagen, gab den goldenen Schlüssel in die Hände von Präsident Günne I. und die Bühne frei für die Akteure des Musikvereins.

Den Programmreigen eröffneten die zwölf Damen des Hofballets. Zu dem schmissigen Song „Crazy Little Thing called Love“ präsentierten Daniela Ackermann, Leonie Birk, Marion Birk, Nicole und Sarah Birk, Teresa Dobler, Elina und Lorena Rolser, Nadja Ruf, Nicole Schick, Anna Wilhelm sowie Silvia Wolfmaier einen lässigen und sehr fetzigen Tanz. Nach dieser tollen Darbietung forderte das närrische Publikum sofort nach einer Zugabe um die sich die Tänzerinnen nicht lange bitten ließen. So flott wie auch im ersten Tanz, mit tollen Tanzschritten und Hebefiguren, begeisterten die Damen auch in ihrer Zugabe zu dem bekannten Hit „Narcotic“.

Die Mietinger Filiale der Volksbank wurde im Anschluss kurzer Hand auf der Mietinger Bühne eröffnet. Während zwei ahnungslose Bürger dabei über das Schlange stehen sinnierten, kam es plötzlich zu Tumulten in der Bankfiliale. Die zwei Bankräuber Corinna und Jochen (Dirigentin und Trompeter im Verein, verkörpert von den Akteuren Sandra Glenzinger und Alexander Schuhmacher) starteten in Mietingen einen Banküberfall. Denn nachdem Sie in Oberholzheim und Baustetten keine Bank mehr vorfanden, waren Sie noch nicht so richtig in Übung in ihrem Ganoven Dasein. Das Publikum hatte viel über die beiden Tollpatsche zu lachen, die ein Taxi als Fluchtfahrzeug organisierten und während dem Überfall noch an ihrer Einkaufsliste für den nächsten Supermarktbesuch feilten. Glücklicherweise war der Bankangestellte „UmSie Bemüht“, gespielt von Manuel Bogenrieder ganz gelassen und konnte den Beiden bei seinem bereits zehnten Überfall in seiner Karriere gute Tipps zum richtigen Vorgehen liefern. So zeigte er den Beiden zu guter Letzt auch wie man sich schnellstens mit dem gepackten Geldkoffer aus dem Staub macht, worauf die beiden Räuber ihm nur noch verdattert hinterher blicken konnten, um sogleich ohne Beute von der Polizei verhaftet zu werden. Unter viel Applaus wurden die Akteure des Überfalls von der Narrenbühne verabschiedet.

Da die Gemeinde auf der Suche nach einem zweiten Hallenwart war, stieg Büttenredner Herbert Denzel in diesem Jahr als „Vize“ in die Bütt. Vom Publikum immer schon mit Spannung erwartet wird seine heiter gereimte Bütt, in der er stets das Welt- und Ortsgeschehen des vergangenen Jahres mit seinen Ereignissen Revue passieren lässt. Für viele Lacher sorgte dabei seine Erzählung eines Streiches, den eine Mietingerin sich als kleine Rache für einen Jahrgänger überlegte. Da wurde dem örtlichen Gemeindeblatt kurzerhand eine Einladung zur Taufe des jüngsten Sprosses angehängt, in der das ganze Dorf zur Tauf-Party geladen wurde. Auch der ortsansässige Getränkehändler wusste Bescheid und rief beim geschockten Vater an, um mit diesem die Taufparty zu planen. Bevor dieser aber gar die Taufe absagen wollte wurde der famos geplante Streich aufgelöst. Auch die anderen kleinen Geschichten wie jene über eingeschlossene Faschingsgäste, Pannen beim Autokauf und Fußballfeiern über die Denzel zu berichten wusste ließen die Narren auflachen. Mit wieder einmal stehenden Ovationen dankte das Publikum ihrem Büttenredner. Dieser hatte im Namen des Musikvereins auch noch einen Dank auszusprechen an ihren Faschingspräsidenten. Bereits seit 15 Jahren hat Präsident Günne I. den Vorsitz im Mietinger Faschingsrat. Da Präsident und Büttenredner vereinbart hatten einmal gemeinsam „in Faschingsrente“ zu gehen, bleibt dem Publikum zu hoffen das keiner von Beiden in naher Zukunft aufhört, sind sie doch feste Größen im Mietinger Fasching.

Im letzten Programmpunkt wurden 7 Gäste aus der großen Kreisstadt Laupheim geladen. Die Herren der Alt-Laupheimer-Feuerwehrkapelle waren eher wiederwillig nicht nach Mainz zur großen Faschingssitzung gefahren, gereicht hatte es nur für einen Auftritt in Mietingen. Was man als „Großstädter“ von einem Auftritt in einem kleinen Dorf wie Mietingen hält, damit hielten die Musikanten nicht hinter dem Berg. Doch trotz ihrer Sticheleien und Lästereien konnten die Akteure das närrische Publikum für sich gewinnen. Mit musikalischen Darbietungen die keinen Narren still sitzen ließen, punkteten die Akteure Gerald Berg, Achim Heinz, Hermann Rolser, Armin Ruf, Jochen Ruf, Andreas Schick und Andreas Siebert voll beim Publikum. Von kleinen amüsanten Solodarbietungen bis hin zu bekannten Hits, die Großstadt-Musikanten hatten einiges auf Lager. Nachdem alle Akteure sich noch einmal auf der Bühne versammelt hatten geleiteten die „Laupheimer Gäste“ diese dann mit dem wohl bekanntesten Laupheimer Liedgut dem Heimatfestlied von der Bühne. Auch der Elferrat und die Hofkapelle verabschiedeten sich dann von ihrem närrischen Publikum und übergaben die Bühne an die Band W.O.X. Entertainment die mit bester Musik die Narren noch lange zum Tanzen und Bleiben animierten.

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